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Swissmem Industrietag 2018 im Zeichen der Nachhaltigkeit

Am 19. Juni 2018 begrüsste Hans Hess, Präsident von Swissmem,  rund 1’600 Teilnehmende am „Industrietag“ im Hallenstadion in Zürich.

Die Vorträge waren sensationell – „wie immer“ bin ich versucht zu sagen. Die drei grössten Highlights waren:

Ian Roberts, CTO von Bühler in Uzwil, zeigte wie das Unternehmen die Innovations- und Technologiestrategie gemacht hat und welche grossartigen neuen Produkte daraus resultieren. Auf Bühler Anlagen wird rund die Hälfte der Nahrungsmittel erzeugt, die auf der Welt gegessen werden. Entsprechend sieht sich das Unternehmen in der Verantwortung.

Um die Zukunft zu gestalten lud Bühler zahlreiche Kunden nach Uzwil ein und fragte sie aus: „Welches sind Ihre Herausforderungen?“. Hintergrund der Frage war die Überlegung When you solve the big issues, you have business. Als kein „Happy Engineering“, bei dem einfach drauflosentwickelt wird, sondern gezielte und professionelle Kundenproblemanalyse. Eines der identifizierten Ziele ist „Einsparungen im Ressourcenverbrauch“. Die Ergebnisse einiger Beispiele sehen Sie hier:

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, spannte den Bogen für Nachhaltigkeit weit über die Technik hinaus. Er begann mit der Frage, was eigentlich der Zweck und die Rolle eines Unternehmens ist. Er erläuterte dies an den Wertmassstäben eines inhabergeführten Familienunternehmens. Ziel sei es da „die Firma in einem besseren Zustand an die Kinder weiterzugeben“. Kapitalgesellschaften, die über die Börse in Unternehmen investieren, haben hier oftmals eine andere Optik und sind leider oftmals ausschliesslich durch die kurzfristige Gier getrieben, weniger durch längerfristiges Sicherstellen des Überlebens.

Dies führt zu schwierigen Spannungsfeldern, weil heute zum Beispiel angenommen werden muss, dass durch die Industrie 4.0 bis 2030 rund ein Drittel der Arbeitnehmenden den Beruf wechseln muss. Industrie 4.0 ist ein Angriff auf die Mittelmässigkeit. Um einen Shakeout zu vermeiden muss mit dem arbeitsmarktbefähigen der Mitarbeitenden bereits heute begonnen werden. Für die Qualifizierung der Mitarbeitenden investiert Siemens deshalb zur Zeit 600 Mio €. Dies ist rein kapitalmarktgetriebenen Investoren etwas schwierig zu vermitteln.

Dieser Vortrag ging etlichen Zuhörern unter die Haut, wie aus den Gesprächen in der Pause hervorging.

Bundesrat Ignazio Cassis stellte viersprachig den Stand der Verhandlungen für das Rahmenabkommen mit der EU vor. Nach einer Erläuterung der Geschichte, wie die Bilateralen I und II entstanden sind, zeigte er auf, an welchen Lösungen die Schweiz mit der EU gegenwärtig arbeitet, und wo die Verhandlungen stehen. Auf eine charmante Art zeigte BR Cassis auf, dass nicht nur die Schweiz keine fremden Richter will, sondern die EU auch nicht.

Er zeigte auf, dass das Rahmenabkommen ein Verfahrensabkommen ist, das der Schweiz den Zugang zum EU-Binnenmarkt sicherstellt. Bedenkt man, dass ein Drittel der Schweizer Arbeitsplätze von der uns umgebenden EU abhängt, wird rasch klar, dass hier kein Platz ist für „alternative Fakten“. Diese Verhandlungen müssen von allen Beteiligten mit grösster Sorgfalt und Akribie geführt und zum Abschluss gebracht werden. Mit der anvisierten Schiedsgerichtlösung zur Beilegung von Streitigkeiten gelangt in der Politik meiner Meinung nach eine Lösung zur Anwendung, wie sie von Unternehmen auch angewendet wird, und die sich dort bewährt hat.

#industrietag