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Industrie 4.0 und Digitalisierung – worauf es dabei wirklich ankommt

Industrie 4.0 und Digitalisierung werden landauf, landab als Allerweltsheilmittel für zahlreiche Unternehmensprobleme angepriesen. Doch was ist „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung“ eigentlich? Und worauf kommt es hier wirklich an?

Die Digitalisierung betrifft praktisch alle Branchen der Schweizer Wirtschaft. Für die Schweiz, die über keine eigenen Rohstoffe verfügt und ein typisches „Know-how“-Land ist, ist dies primär nicht eine Gefahr, sondern eine Chance. Eine Chance, die alle stark herausfordert.

Warum? Unter Industrie 4.0 und Digitalisierung werden von Swissmem folgende Themen genannt: Automation und Robotik – Maschinenlernen – Sensorik in Komponenten und Systemen – Datenerfassung und Datenanalyse – Kontroll- und Optimierungssysteme – Internet of Things (IoT) und Netzwerke – „Predictive Maintenance“ – Erweiterte Realität – Additive Produktion (3D-Druck) – Ecommerce, ERP-ERP-Anwendungen – Datensicherheit und Schutz vor Cyberkriminalität.

Bei näherer Betrachtung erkennen Sie, dass dies nicht Weltneuheiten sind, sondern Dinge und Technologien, die schon länger bekannt sind und teilweise bereits industriell eingesetzt werden. Das wirklich neue an Industrie 4.0 und Digitalisierung ist, wie immer neue Kombinationen von Technologien und Anwendungen in immer kürzerer Zeit zu neuartigen Problemlösungen zusammengefügt werden. In der Produktentwicklung ist die schnellstgetaktete Branche die Informatik-Industrie, in der sich die erzielbare Rechenleistung noch immer alle 18 Monate verdoppelt.

Bei der Rekombination von Technologien – und nichts anderes ist Industrie 4.0 und Digitalisierung – findet keine Produktentwicklung im klassischen Sinn statt. Ein Beispiel dafür ist das Innovationszentrum von E-shelter, einem zur NTT-Gruppe gehörenden Rechenzentrumsbetreiber, der sich „Home of the Cloud“ nennt. Dieses Unternehmen kombiniert zusammen mit einem Dutzend Kunden und Lieferanten im firmeneigenen Innovations-Campus Informatik-Technologien, um Rechenzentren noch leistungsfähiger und noch energieeeffizienter zu machen. Weitere zwei Dutzend Firmen stehen vor der Tür und wollen auch mitmachen. Hier werden keine objektiv neuen Produkte erfunden, sondern bestehende Technologien anders zusammenkombiniert. Die industriell anwendbaren Ergebnisse erscheinen etwa im 12-Monats-Rhythmus. Das ist der Unterschied und der Kern von Industrie 4.0 und Digitalisierung: Geschwindigkeit in der Anwendung von Technologiekombinationen.

Unternehmen sind hier auf zwei Ebenen gefordert. Erstens lässt sich nicht mehr alles durch eine Marktanalyse während 12 oder 18 Monaten vorabklären, um dann mit geringstmöglichem Risiko in weiteren 12 – 24 Monaten eine Kundenproblemlösung zu entwickeln. Unternehmen müssen für die Zukunft abschätzen können, welche Technologiekombinationen sich für welche Anwendungsfälle wahrscheinlich durchsetzen werden und müssen bereit sein, erste Schritte in eine entsprechende Richtung zu gehen ohne 100 %ige Sicherheit auf Markterfolg. Zweitens erfordert die Vielfalt an infrage kommenden Technologien eine klare Sicht darauf, welche Kompetenzen intern aufgebaut werden sollen oder müssen, und wo es klüger ist, mit Partnern zusammenzuarbeiten. Entscheidungskriterium ist die erzielbare Geschwindigkeit.