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Was lässt sich vom RedHat Forum 2018 für Strategieumsetzung und das Management von Veränderungen lernen?

Am 11.9.2018 lud RedHat, ein grosses Unternehmen im Bereich von OpenSource Lösungen für Cloud-Computing, zum alljährlichen Forum in Zürich.

Was auffällt ist die jährliche Teilnehmerzunahme. Dieses Jahr war der grösste Saal im Sihlcity Cinema bis auf den letzten Platz besetzt. Zu spät ankommende fanden nur noch Platz auf der Treppe oder mussten sogar stehen.

Das Forum wurde durch den CEO von RedHat eröffnet, Jim Whitehurst. Er referierte über sein Lieblingsthema, digitale Transformation und offene Organisation. Er strich heraus „You can buy technology, but you can’t buy capability“. Er strich ebenfalls heraus, was bei Veränderungen enorm wichtig ist: “It’s necessary to really understand the depth of a change“.

Zur Erläuterung rief er Martin Zekar, COO der Schweizerischen Bundesbahnen SBB, auf die Bühne. Dieser erläuterte die Geschichte der SBB: Die SBB ist ein Massentransport-Unternehmen. In den Genen der Bahn und der Bähnler liegen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Sicherheit. Mit der immer höheren Fahrplandichte und der immer intensiveren Nutzung des Schienennetzes werde dies aber immer anspruchsvoller. Wenn die Züge früher im Stundentakt fuhren gab es genügend Möglichkeiten, eine Verspätung wieder aufzuholen. Das sei heute nicht mehr möglich. Das Schienennetz sei heute dermassen dicht genutzt, dass die Verzögerung eines Zugs Auswirkungen habe, wie wenn am Faden eines Spinnenetzes gezogen wird. Konsequenz daraus ist, dass die SBB heute den Fahrplan nicht mehr halbjährlich drucken und herausgeben wie früher, sondern den Fahrplan jede Minute neu rechnen und veröffentlichen. Mit der SBB-App erhalten die SBB-Kunden damit einen Fahrplan, der minutenaktuell ist.

Julius Ganns von Vorwerk zeigte am Beispiel der Thermomix-App, wie ein Hersteller von Kochapparaten sein Geschäftsmodell digitalisieren kann, indem er es sehr geschickt um Services erweitert. In diesem Fall geht es um elektronische Kochbücher, elektronische Einkaufslisten und elektronische Schritt-für-Schritt-Kochanleitungen, so dass im Extremfall auch ein im Kochen völlig unerfahrener seiner Angebeteten ein Gourmet-Menü kochen kann. Der Weg bis zum Erfolg war lang, aber heute ist Vorwerk Digital fester Bestandteil der Unternehmensgruppe.

Julius Ganns zeigte, worauf es dabei aus Marketingsicht ankommt: „When you choose and when you use“. Dies ist für ein neues Produkt der Moment der Wahrheit.

Seine Erfahrung aus dem Aufbau von Vorwerk Digital: „Great people want to work with other great people on great things”.

René Fitterer von SAP brachte es schliesslich auf den Punkt, wo Innovation stattfinden wird: “Innovation wird nicht in Silos stattfinden“. Vielmehr ist abteilungsübergreifende Zusammenarbeit gefragt.

Das Motto des diesjährigen RedHat Forums ist

„Ideas worth exploring. Come with questions, leave with ideas“.

Dies möchte ich aufgreifen. Den Medien zufolge tun sich viele Unternehmen mit dem digitalen Wandel schwer. Die Lernerfahrung aus den Forums-Vorträgen ist für mich, dass Unternehmen in der Anwendung von für sie neuen Technologien neue Fähigkeiten entwickeln und aufbauen müssen. Dies müssen Unternehmen selber tun, das lässt sich nicht delegieren. Diese Veränderungen geschehen erschwerend nicht in Abteilungen, sondern quer durch das Unternehmen. Die klassische Ausbildung ist hier keine Hilfe, sondern ein gewaltiges Hindernis. Seit Beginn der Industrialisierung wird die Arbeitsteilung immer grösser. Wir haben immer noch mehr Fachspezialisten, die über immer weniger immer mehr wissen. Fachleute, die in einem Unternehmen den Durchblick vom Markt und den Kundenbedürfnissen über die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Beschaffung haben, sind äusserst dünn gesät. Diejenigen, die über die notwendige Erfahrung verfügen, sind in der Regel schon etwas älter, und dies wiederum ist schlecht für Veränderungen, weil diese Menschen in der Regel sich in schon sehr tief eingelaufenen Gleisen bewegen.

Zum „Ideas worth exploring“ möchte ich Ihnen zwei Dinge mitgeben, die Sie in Ihrem Unternehmen ausprobieren könnten:

Erstens, die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit fördern. Ein gutes Mittel dazu ist das systematische Projektmanagement Training. Teilnehmende lernen darin, wie Projekte – auch Veränderungsprojekte wie dasjenige mit dem SBB-Online-Fahrplan – unter Einbezug der notwendigen Fachdisziplinen durchgeführt werden können.

Zweitens lässt sich mit Schulung von Innovations- und Technologiemanagement ein gemeinsames Verständnis schaffen, welche Veränderungen auf ein Unternehmen zukommen, und warum welche und wie angepackt werden. Dies schafft auch bei jungen Teilnehmenden schon früh das Verständnis, wie die Wertschöpfungskette im Unternehmen aussieht, wie die Geschäftsprozesse ablaufen und miteinander verzahnt sind, und wie mit neuen Technologien und dem Aufbau der zugehörigen Fähigkeiten Wettbewerbsvorteile realisiert werden können.

So besehen ist „Change Management“ nicht mehr etwas, das vielen Angst macht. Sondern ein Werkzeug, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, um nicht nur zu überleben, sondern zu wachsen und so auch neue Arbeitsplätze zu schaffen.

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#redhat #innovation #erfolg