Kreativität oder Kreaktivität?

In der vergangenen Woche bekam ich beim Ausarbeiten des Anforderungsprofils für ein neues Produkt von verschiedenen Personen zweimal das gleiche zu hören: „Tut mir leid, ich konnte nichts vorbereiten. Ich war völlig vom Tagesgeschäft absorbiert“.

Über das Weblog „The Heart of Innovation“ gelangte ich zu einer Forschungsarbeit von Teresa Amabile, Professorin an der Harvard Business School, die diesem Phänomen wissenschaftlich fundiert nachgegangen ist. Ihre Erkenntnisse:

Überlastung ist der Standardbetriebszustand in den meisten Organisationen. Mitarbeiter erhalten im Schnitt pro Tag 156 eMails. Ihre Tätigkeit wechseln sie alle drei Minuten. Sie verwenden mehr als einen Viertel der Arbeitszeit um mit Störungen umzugehen – Telefonanrufen, SMS, Chat, etc.

Überlastete Mitarbeiter sind anfälliger für Stress. Dies beeinflusst die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit.

Das wichtigste und gefährlichste an dieser Situation, das aber analytisch nicht gefunden werden kann: Die Zukunft ruft nicht an. Die Zukunft schickt keine eMails. Die Zukunft schickt auch keine SMS und macht in keinem Chatraum mit. Die Zukunft eines Unternehmens, das dieses Phänomen nicht in den Griff bekommt, könnte so aussehen, dass es plötzlich in den Schlagzeilen steht. Wegen rückläufiger Gewinne, die ihre Ursache in veralteten Produkten haben. Wegen einem Image als altmodische Firma, die deshalb beim Rekrutieren topausgebildeter Leute Schwierigkeiten hat. Als Unternehmen mit roten Zahlen, das auf nicht mehr wettbewerbsfähigen Produkten sitzt.