Der VR im Spannungsfeld zwischen Corporate Governance und Effizienz

Am VR-Forum vom 12. Oktober 2004 sprach Dr. Henri B. Meier zum Thema „Der Verwaltungsrat im Spannungsfeld zwischen Corporate Governance und Effizienz“. Der Referent zeigte den Entwicklungspfad der vielen Rechts- und Rechnungslegungsvorschriften, die ihren Urpsrung überwiegend in kriminellen Handlungungen in sehr grossen Unternehmen in Übersee haben. Zwischen den Zeilen stand die Frage, wieviel Zeit dem Verwaltungsrat in der Praxis zum strategischen Führen der Unternehmung noch verbleibt, wenn die IAS-Rechnungslegungsvorschriften innert Kürze von 1’000 Seiten (!) auf 1’700 (!!!) Seiten Umfang anschwellen. Dr. Henri B. Meier schätzt, dass bestenfalls noch 5 % aller Verwaltungsräte hier den fachlichen Über- und Durchblick haben, und mit welchen Massnahmen hier Lösungen möglich sind.

Die jüngste Geschichte zeigt zudem, dass mit einem dicken Regelwerk allein nicht automatisch eine Geschäftsführung nach schweizerischen Massstäben von Treu und Glauben erreicht werden kann.

Die interessanteste Aussage bezog sich auf etwas, das in keinem Corporate Governance Kurs gelehrt wird. Die primäre Aufgabe eines Verwaltungsrats ist es ja nicht, keine ‚Betriebsunfälle‘ zu haben, sondern Erfolg zu kreieren. Und Erfolg wird von Menschen kreiert, nicht von Reglementen.

Dr. Henri B. Meier sagte dazu:

‚Ein Aspekt, den ich nicht genügend betonen kann, ist die Chemie (zwischen den Menschen im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung; Anmerkung von HUW). Genau wie es Metalle gibt, die man nicht legieren kann oder die bei Kontakt verdampfen, gibt es Kombinationen von Charakteren, die immer zu negativen Resultaten führen. Der sorgfältigen Zusammenstellung eines Teams mit der gleichen Wellenlänge zwecks Kommunikation wird zuwenig Beachtung geschenkt. Dies lässt sich auch nicht regulieren. Wie Sie wissen, ist die Zerstörungskraft eines Menschen viel grösser als seine Aufbaukraft. Eine Fehlkombination ist explosiv.‘