Universitäten zu wenig marktnah

Die Credit-Suisse äusserst sich kritisch zur Arbeit der Schweizerischen Universitäten.

Die Bilanz der Schweiz als Forschungsstandort sei zwar beachtlich, heisst es in der Studie der Grossbank. In kaum einem andern Land würden pro Kopf der Bevölkerung so viele Patente angemeldet und so viel in Forschung investiert, wie in der Schweiz.

Die bemängelte Anzahl Studenten in Ingenieurwissenschaften, Physik und Chemie hat jedoch nichts mit dem Studienangebot zu tun, sondern damit, wie sich die verschiedenen Branchen verhalten. Stimmen a) in der Industrie die Quartalsabschlüsse nicht und werden mit dieser Begründung regelmässig Leute entlassen und b) bezahlt gleichzeitig die Finanzbranche Boni in der Höhe eines Jahressalärs ist es kein Wunder, wenn sich die jungen Menschen für ein Studienfach entscheiden, mit dem sie in der Finanzbranche reüssieren können.

Das grösste Manko scheint mir nicht das Fächerangebot der verschiedenen Hochschulen zu sein. Dieses liegt vielmehr auf dem Gebiet der Schulung von Unternehmensführern und Unternehmertum. Im Grundstudium ist dieses Fach kaum präsent. Ein Angebot für die systematische Aus- und Weiterbildung von Unternehmern auf Universitätsstufe fehlt weitgehend.

Hat die Schweiz wieder erfolgreiche Industrieunternehmen, die nachhaltig erfolgreich sind und wachsen, steigt die Attraktivität der Berufe in diesen Branchen auch wieder. Ohne topausgebildete Unternehmer fehlt hier eine wichtige Grundvoraussetzung.

Von den Hochschulen und der Politik gefordert werden muss eine Forschungsstrategie, die auf die für die Schweiz erfolgversprechenden Technologiecluster fokussiert. Es hilft nichts, wenn wir weltweit eine der höchsten Anzahl Patentanmeldungen haben, diese Patente aber überwiegend in Branchen und Technologien gehen, die in der Reife oder im Alter stehen. Die neuen Clusters sind Life Sciences, Medizintechnik, Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologien, Materialwissenschaften und erneuerbare Energien. Dieser Wandel in der Forschungsausrichtung wird noch viel zu zaghaft vollzogen.